Posted on: 28-08-2026

Gleitlager beginnen bei der Anwendung

Die richtige Wahl eines Gleitlagers beginnt mit dem Verständnis der Belastungs-, Bewegungs- und Umgebungsbedingungen.

Maschinen fallen selten ohne Vorwarnung aus. Häufig kündigen ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen oder erhöhtes Spiel einen beginnenden Lagerverschleiß an. Erst in solchen Momenten wird deutlich, welche zentrale Rolle Gleitlager für die zuverlässige Funktion einer Anwendung spielen. Im Normalbetrieb bleiben sie meist unbemerkt. Versagen sie jedoch, sind die Folgen oft unmittelbar spürbar: ungeplante Stillstände, erhöhter Wartungsaufwand und mögliche Schäden an benachbarten Komponenten.

Der eigentliche Mehrwert liegt darin, bereits in der Auslegungsphase die richtigen Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die auf die spezifischen Anforderungen der Anwendung, die auftretenden Belastungen und die tatsächlichen Einsatzbedingungen abgestimmt sind. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit von Peter Slijkhuis bei ELCEE an: Er unterstützt Kunden dabei, von Anfang an die passende Gleitlagerlösung zu identifizieren und so die Grundlage für einen zuverlässigen und wirtschaftlichen Betrieb zu schaffen.

Peter Slijkhuis: Spezialist für Gleitlager

Peter Slijkhuis beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Gleitlageranwendungen und wird aufgrund seiner umfassenden Erfahrung regelmäßig in neue Projekte eingebunden.„Dabei schaue ich vor allem auf die Anwendung: Wo wird das Gleitlager eingesetzt und welche Anforderungen werden in der Praxis an dieses Bauteil gestellt?“, erklärt er.

Seine Rolle reicht dabei weit über die Benelux-Region hinaus. Innerhalb der internationalen ELCEE-Organisation trägt Peter maßgeblich dazu bei, Know-how rund um Gleitlager zu teilen und weiterzuentwickeln. „Was wir hier über viele Jahre erfolgreich aufgebaut haben, geben wir auch an andere Länder weiter. So stellen wir sicher, dass unsere Kolleginnen und Kollegen auf dieselbe Expertise und dieselben Erkenntnisse zurückgreifen können.“ Dieses Wissen wird nach dem Local-for-Local-Prinzip eingesetzt. „Wir konzentrieren uns auf die Regionen, in denen wir selbst aktiv sind. Dort sitzen Menschen nah am Kunden, verstehen die Anwendungen und kennen die Anforderungen des Marktes aus erster Hand.“

Peter arbeitet bereits seit 1988 mit Gleitlagern. Nach seiner technischen Ausbildung hat er sich sein Fachwissen vor allem durch praktische Erfahrung angeeignet und dieses kontinuierlich durch Schulungen bei Herstellern sowie interne Weiterbildungen erweitert. Dabei profitiert er von der engen Zusammenarbeit mit führenden Partnern wie igus, einem Hersteller, der für wartungsfreie Gleitlagerlösungen und die kontinuierliche Weiterentwicklung innovativer Werkstoffe bekannt ist.

„Man muss wissen, was ein Werkstoff leisten kann, aber auch, wo seine Grenzen liegen“, sagt Peter.

Heute nutzt er diese langjährige Erfahrung, um Kolleginnen, Kollegen und Kunden bei der Auswahl und Auslegung von Gleitlagerlösungen zu unterstützen. Sein Fokus liegt dabei stets auf praxisgerechten, zuverlässigen und wirtschaftlichen Lösungen für die jeweilige Anwendung

Mit technischem Know-how zur richtigen Gleitlagerauswahl

Gleitlager kommen in deutlich mehr Anwendungen zum Einsatz, als viele vermuten. „Eigentlich begegnet man ihnen überall“, sagt Peter. „Überall dort, wo etwas bewegt, gedreht, geschwenkt oder geschoben wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Gleitlager verbaut ist.“

Das Einsatzspektrum reicht vom Maschinenbau bis hin zur Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. Gleichzeitig kommen Gleitlager auch in anspruchsvollen Anwendungen der Schifffahrt, Offshore-Industrie, Transportbranche und Schwerindustrie zum Einsatz. „Weniger die Branche ist entscheidend, sondern die Bewegung innerhalb der Anwendung.“

Gerade diese Vielfalt macht das Fachgebiet so interessant. Jede Anwendung stellt andere Anforderungen. „Bei Gleitlagern gibt es eigentlich keine Universallösung“, erklärt Peter. „Man muss immer die jeweiligen Bedingungen betrachten: Belastung, Geschwindigkeit, Umgebung, Temperatur und viele weitere Einflussfaktoren. Daraus ergibt sich, welcher Werkstoff und welche Ausführung geeignet sind

Während bei anderen Lagertechnologien häufig mit standardisierten Bauformen gearbeitet wird, erfordern Gleitlager in vielen Fällen eine anwendungsspezifische Lösung. „Genau darin liegt unser Mehrwert: technisch fundiert zu beurteilen, warum eine Lösung funktioniert oder warum sie an ihre Grenzen stößt.“ Diese Fragestellungen kommen häufig direkt aus dem Markt. Täglich erhalten Peter und seine Kollegen Zeichnungen, Spezifikationen oder Anfragen zu bestehenden Anwendungen. „Dann beginnt die eigentliche Analyse“, sagt er. „Wir stellen gezielte Fragen, führen Berechnungen durch und kombinieren diese mit unserer Erfahrung. So entwickeln wir eine Lösung, die optimal zur Anwendung passt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Neuentwicklung handelt oder um eine bestehende Anlage, deren Anforderungen sich verändert haben.“

Ein Praxisbeispiel: Gleitlager in der Schifffahrt

 Ein gutes Beispiel dafür, wie entscheidend die Werkstoffwahl sein kann, stammt aus der Schifffahrt. Peter berichtet von einem Kunden, der Probleme mit einem der zentralen Bauteile des Antriebsstrangs hatte: dem Wellenlager.

„Dieses Lager ist entscheidend für die zuverlässige Funktion des gesamten Antriebssystems“, erklärt er. „Es verbindet die Kräfte von Motor, Welle und Propeller und sorgt dafür, dass die Bewegung sicher und zuverlässig übertragen wird.“

In diesem Fall war eine Lösung aus Gummi gewählt worden, die aus einzelnen Segmenten bestand und mit Wasser geschmiert wurde. Auf dem Papier erschien dieses Konzept sinnvoll. „Schiffe fahren in Wasser, das Sand, Schmutz und andere Partikel enthält. Deshalb wird Gummi häufig eingesetzt, weil das Material als nachgiebig und unempfindlich gilt“, sagt Peter. „Wir hatten allerdings von Anfang an Zweifel, ob diese Lösung unter den gegebenen Bedingungen dauerhaft funktionieren würde.“

Diese Einschätzung erwies sich als richtig. Durch die Betriebsbedingungen lagerten sich Schmutzpartikel im Gummi ein. Zunächst blieb dies unbemerkt, doch mit zunehmender Betriebsdauer traten die ersten Probleme auf. Die Folge waren erhöhter Verschleiß, Geräuschentwicklung und Schäden an der Welle. „Bei solchen Anwendungen ist das keine Option“, sagt Peter. „Stillstand verursacht hohe Kosten, und bestimmte Geräuschentwicklungen sind schlicht nicht akzeptabel.“

ELCEE wurde daraufhin in die Entwicklung einer alternativen Lösung eingebunden. Innerhalb kurzer Zeit wurde auf einen Verbundwerkstoff umgestellt, der den Anforderungen hinsichtlich Belastung, Geschwindigkeit und Umgebungsbedingungen besser entsprach. „Die Verbesserungen waren unmittelbar spürbar“, berichtet Peter. „Die Lebensdauer stieg deutlich und die Geräuschprobleme konnten beseitigt werden.“

Damit war der Optimierungsprozess jedoch noch nicht abgeschlossen. Auf Grundlage weiterer Analysen und praktischer Erfahrungen entwickelte ELCEE einen alternativen Lösungsansatz, bei dem nicht nur der Werkstoff, sondern auch das Lagerkonzept selbst überarbeitet wurde. „Wir haben die gesamte Anwendung neu betrachtet und Belastungen, Strömungsverhältnisse sowie die Geometrie neu berechnet. Dafür waren Anpassungen am Gehäuse und Änderungen am Konstruktionskonzept erforderlich, aber das Ergebnis hat überzeugt.“ Der Kunde entschied sich daraufhin, die Lösung nicht nur für ein einzelnes Schiff, sondern für eine komplette Baureihe einzusetzen.

Die Lager sind inzwischen seit Jahren erfolgreich im Einsatz und arbeiten zuverlässig unter den anspruchsvollen Betriebsbedingungen der Schifffahrt. „Vor Kurzem kamen die Lager zur Inspektion zurück“, erzählt Peter. „Ein Austausch wäre zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht erforderlich gewesen. Für uns ist das die Bestätigung, dass die damals getroffenen Entscheidungen nicht nur kurzfristig funktioniert haben, sondern auch langfristig die richtige Wahl waren.“

Werkstoffwahl bei Gleitlagern: Die richtige Lösung für jede Anwendung

 Solche Situationen sind keine Ausnahme. Das Beispiel aus der Schifffahrt zeigt, wie entscheidend die Werkstoffwahl für die langfristige Zuverlässigkeit einer Anwendung sein kann. „Viele Anwendungen setzen seit Jahren auf dieselben Lösungen“, sagt Peter. „Nicht unbedingt, weil sie die beste Wahl sind, sondern weil sie bekannt sind und sich über die Jahre etabliert haben.“

Ein gutes Beispiel dafür sind Gleitlager aus Bronze. Bronze ist robust, leicht verfügbar und seit Jahrzehnten ein bewährter Werkstoff. „Es funktioniert“, sagt Peter. „Die Anwender kennen das Material, haben Erfahrung damit und erzielen bei ausreichender Schmierung zuverlässige Ergebnisse.“

Gleichzeitig ist Bronze jedoch auf eine dauerhafte und zuverlässige Schmierung angewiesen. Genau das wird in vielen Anwendungen zunehmend kritisch, etwa im Hinblick auf Wartungsaufwand, Umweltauflagen oder die Vermeidung von Schmierstoffaustritten in Gewässer und die Umwelt. Moderne Werkstoffalternativen können hier Vorteile bieten und ermöglichen in vielen Fällen einen wartungsarmen oder sogar wartungsfreien Betrieb. Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren. „Der Preis für Bronze ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, erklärt Peter. „Preissteigerungen von dreißig bis fünfunddreißig Prozent sind keine Seltenheit.“ Deshalb lohnt es sich, bestehende Werkstoffentscheidungen regelmäßig zu hinterfragen, nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern vor allem im Hinblick auf die tatsächlichen Anforderungen der Anwendung.

Immer häufiger rücken dabei Verbundwerkstoffe und Kunststoffgleitlager in den Fokus. „In vielen Anwendungen können sie eine technische Alternative zu Bronze darstellen“, sagt Peter. „Sie sind leichter, benötigen häufig keine oder nur eine minimale Schmierung und eignen sich zudem für wassergeschmierte Anwendungen.“ Darüber hinaus bieten sie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Vibrationen, Stoßbelastungen und Fluchtungsfehlern – Einflüsse, die im praktischen Einsatz deutlich häufiger auftreten, als es theoretische Berechnungen vermuten lassen.

Ein wichtiger Unterschied liegt im Notlaufverhalten. „Bronze ist auf eine zuverlässige Schmierung angewiesen“, erklärt Peter. „Kommt es zu einem Schmierungsausfall, kann dies innerhalb kurzer Zeit zu erheblichem Verschleiß oder sogar zu Schäden an den angrenzenden Bauteilen führen.“ Verbundwerkstoffe enthalten dagegen häufig integrierte Festschmierstoffe. Dadurch können sie auch bei kurzfristigem Schmierungsausfall weiter betrieben werden, ohne dass unmittelbar Schäden entstehen. „Das zeigt ihren Vorteil vor allem dann, wenn die Betriebsbedingungen einmal nicht ideal sind.“

Der Wechsel von Bronze zu Verbundwerkstoffen erfolgt jedoch nicht automatisch. „Bei anspruchsvollen Anwendungen greift man häufig auf bewährte Lösungen zurück“, sagt Peter. „Wenn etwas über viele Jahre funktioniert hat, ist die Bereitschaft, davon abzuweichen, verständlicherweise begrenzt.“ Umso wichtiger ist eine fundierte technische Bewertung. „Die Vorteile müssen nachvollziehbar sein und sich anhand der Anwendung belegen lassen. Nicht weil ein Werkstoff neuer ist, sondern weil er die Anforderungen besser erfüllt.“

Genau hier liegt die Rolle von ELCEE: nicht darin, etablierte Lösungen grundlos zu ersetzen, sondern gemeinsam mit dem Kunden zu analysieren, welche Werkstoff- und Lagerlösung für die jeweilige Anwendung heute und langfristig die beste Wahl ist. Denn letztlich, so fasst Peter zusammen, liegt der entscheidende Unterschied nicht im Gleitlager selbst, sondern im Verständnis der Anwendung, für die es ausgelegt wird.

Warum Anwendungskompetenz entscheidend ist

In seiner Rolle als Spezialist sieht Peter seinen größten Mehrwert vor allem bei komplexeren Fragestellungen. „Interessant wird es immer dann, wenn die Anforderungen nicht eindeutig sind“, sagt er. „Wenn Unsicherheit bei der Werkstoffwahl besteht oder wenn bestehende Lösungen die gewünschten Ergebnisse nicht mehr liefern.“ Das betrifft nicht nur neue Anwendungen. Auch bestehende Maschinen verändern sich im Laufe der Zeit, etwa durch höhere Belastungen, gesteigerte Geschwindigkeiten oder veränderte Betriebsbedingungen. In solchen Fällen lohnt es sich, die ursprüngliche Auslegung kritisch zu überprüfen und

Für solche Projekte entwickelt die Engineering-Abteilung von ELCEE gemeinsam mit den Ingenieuren des Kunden passende Lösungen. „Gemeinsam analysieren wir, warum etwas funktioniert oder eben nicht.“ Gerade dieser systematische Ansatz ist entscheidend, nicht nur auf Basis von Berechnungen, sondern auch durch die Verbindung von technischem Wissen und praktischer Erfahrung. „Man kann vieles berechnen, aber die Praxis bleibt ein wichtiger Faktor. Gerade bei Gleitlagern können selbst kleine Änderungen bei Werkstoff, Geometrie oder Betriebsbedingungen einen großen Einfluss auf Leistung und Lebensdauer haben.“

Was Peter seinen Kunden besonders mitgeben möchte, ist die Bedeutung der richtigen Gleitlagerauswahl. „Es ist keine Entscheidung, die man nebenbei trifft“, sagt er. „Sie hat direkten Einfluss auf die Zuverlässigkeit, Lebensdauer und Leistungsfähigkeit einer Maschine.“ Deshalb empfiehlt er, technische Fragestellungen frühzeitig zu besprechen. „Lieber einmal zu früh gemeinsam überlegen als später Probleme beheben.“

ELCEE frühzeiting in die Auslegung einbinden

Wann sollten Kunden an ELCEE denken? „Sobald auch nur die geringste Unsicherheit hinsichtlich der Eignung eines Gleitlagers besteht.“ Letztlich ist ein Gleitlager ein Bauteil, das seine Aufgabe zuverlässig erfüllen soll, ohne besondere Aufmerksamkeit zu erfordern.„Es soll einfach drehen, gleiten oder schwenken, ohne dass man sich täglich damit beschäftigen muss.“ Genau darin liegt der Kern von Peters Arbeit: die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Gleitlager dauerhaft zuverlässig und unauffällig funktionieren.


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Marianne Wenert ELCEE
Marianne Wenert
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